Mit welchen Fragestellungen beschäftigt sich das Studienfach?

    Das Fach beschäftigt sich mit Lebensweisen und Lebenswelten in Europa und untersucht viele verschiedene Phänomene der Alltagskultur in gegenwartsbezogener und historischer Perspektive.

    • Wie organisieren Menschen ihre Alltage? Wie gestalteten sich Alltage in der Vergangenheit?
    • Wie leben unterschiedliche menschliche und nicht-menschliche AkteurInnen (Tiere, Pflanzen oder Dinge) zusammen? Wie haben Sie das in der Vergangenheit getan?
    • Wie handeln Menschen, Gruppen oder Gesellschaften praktisch die Regeln aus, nach denen sie zusammenleben und sich verständigen?
    • Wie materialisiert sich Kultur (z.B. in Gebrauchsgegenständen, Kleidung oder Wohnräumen) und wie gehen (unterschiedliche) Menschen oder Gruppen mit diesen Materialisierungen um?
    • Welche Bilder und Vorstellungen haben Menschen von ihren Beziehungen zueinander und zur Umwelt?

    Was sind mögliche Berufsfelder und Arbeitgeber nach dem Studium?

    • (internationale) Kulturinstitutionen und Kulturverwaltung
    • Kultur- und Eventmanagement/Öffentlichkeitsarbeit
    • Wissenschaft und Forschung
    • Museums- und Ausstellungsmanagement
    • Journalismus (alte und neue Medien) und Verlage
    • Beratung (u.a. Erwachsenenbildung, Gleichstellung, Interkulturalität, Politik)
    • Wirtschaft (u.a. Unternehmensberatung, Marktforschung, Diversity Management)
    • Archive
    • NGOs

    Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten solltest du für das Studium mitbringen?

    • Beobachtungsgabe
    • Spaß am Lesen und Schreiben
    • Freude am Forschen
    • kritisches Denken
    • selbstständiges Arbeiten und Arbeiten in Teams
    • soziale Kompetenz

    Welche Interessen solltest du für das Studium mitbringen?

    • Bereitschaft zum Hinterfragen von Gewohntem
    • Interesse an (inter)kulturellen Phänomenen und Prozessen
    • Freude am Lösen sozio-kultureller Probleme
    • Bereitschaft zum Lesen und Produzieren unterschiedlicher Texte
    • Freude am Umgang mit anderen Menschen
  • Europäische Ethnologie/Volkskunde

  • Bachelor

    Hauptfach mit 75 Punkten
    Abschluss B.A.
    Studienbeginn SS / WS
    Regelstudienzeit 6 Semester
  • Bachelor

    Nebenfach mit 60 Punkten
    Abschluss je nach Hauptfach
    Studienbeginn SS / WS
    Regelstudienzeit 6 Semester
  • Europäische Ethnologie/Volkskunde

  • Master

    Einzelfach mit 120 Punkten
    Abschluss M.A.
    Studienbeginn SS / WS
    Zugangsvoraussetzung Fachliche Zugangsvoraussetzungen
    Regelstudienzeit 4 Semester
  • Master

    Hauptfach mit 45 Punkten
    Abschluss M.A.
    Studienbeginn SS / WS
    Zugangsvoraussetzung Fachliche Zugangsvoraussetzungen
    Regelstudienzeit 4 Semester

Gegenstand des Faches

Die Europäische Ethnologie/Volkskunde (EEVK) ist eine Kulturwissenschaft, die sich mit Lebensweisen und Lebenswelten in Europa beschäftigt. Sie ist aus der Volkskunde hervorgegangen. Die EEVK untersucht viele verschiedene Phänomene der Alltagskultur in gegenwartsbezogener und historischer Perspektive. Beide Sichtweisen dienen dazu, kulturelle Ordnungen und Dynamiken moderner Gesellschaften zu analysieren und zu interpretieren. „Kultur“ ist dabei neben „Alltag“ eine der Leitperspektiven des Faches. Weil Kultur dynamisch ist, bezeichnet der Begriff nicht „unveränderliche“ Traditionen oder Werte und meint auch nicht den Lebensstil gesellschaftlich Privilegierter. Vielmehr bezeichnet der Begriff Kultur die dynamischen, sich ständig verändernden Ausdrucksformen in denen Wirklichkeit gelebt wird. Kultur beschreibt den permanenten Prozess, in dem Gesellschaft alltäglich ausgehandelt wird. Damit handelt Kultur vor allem davon, wie AkteurInnen ihre Lebenswelt wahrnehmen, wie sie kommunizieren und wie sie handeln. Dieses weite Verständnis von Kultur „lässt die Alltagswelt als den jeweils konkreten Ort und die konkrete Zeit erscheinen, in denen Kultur „gelebt“ und zugleich beobachtet wird"1. Der Fokus des Faches liegt damit auf den konkreten Alltagen von Menschen auch im Zusammenhang mit anderen Lebewesen (Tiere, Pflanzen oder Mikroben) sowie der Umwelt, in der sie leben.

Erkenntnisinteresse und Fragestellungen

Europäische EthnologInnen möchten verstehen, wie unterschiedliche AkteurInnen Kultur (materiell und immateriell) gestalten. Sie wollen wissen, wie gesellschaftlich Prägendes zustande kommt und hinterfragen Vertrautes kritisch. Die Forschungsmethoden des Faches sind qualitativ und ethnografisch, um der Lebenswelt der jeweiligen AkteurInnen so nah als möglich zu kommen. Dabei ergeben sich vielfältige und unterschiedliche Fragestellungen. Am Lehrstuhl in Würzburg wird in Forschung und Lehre beispielsweise untersucht, was es mit den kulturellen Praktiken um das „Selfie“ auf sich hat, warum „die Rückkehr der Wölfe“ für Schlagzeilen sorgt oder warum gerade so viele Menschen für oder gegen die Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland demonstrieren. Die Antworten auf diese Fragen finden wir als Europäische EthnologInnen dort, wo menschliche Praktiken stattfinden: Auf der Spur der kulturellen Handlungen um das Selfie landen wir z.B. vor der Würzburger Residenz, auf Instagram oder bei materiell-technischen Gegenständen wie Selfie-Sticks oder Sofortbildkameras. Fragen nach der Rückkehr der Wölfe bringen uns zu SchäferInnen und Schafen, JägerInnen, Kulturlandschaften und Naturschutzbünden aber lassen uns auch Kinderbücher, Tageszeitungen, Gesetzestexte oder historische Dokumente lesen. Der Diskurs um die sogenannte „Flüchtlingskrise“ eröffnet bspw. Fragen nach Identität und Heimat, Inklusion und Exklusion und führt uns in aktuelle Wahlprogramme, zur #metoo-Debatte, in Landtage, Unterkünfte für Geflüchtete, zu Demonstrationen und zu historischen Diskursen um Rassismus, Radikalisierung oder Kolonialismus, die uns häufig weit in die Vergangenheit zurückführen.

Um gegenwärtige wie vergangene Alltage zu analysieren, denken und forschen Europäische EthnologInnen immer dort, wo kulturelle und soziale Aushandlungen passieren. Welche Orte und Situationen von Alltagsleben – also wo in Raum und Zeit – dafür ausgewählt werden, hängt fast immer von den einzelnen Fragestellungen und den Zugangsmöglichkeiten bzw. der Quellenlage ab. In den meisten Fällen wählen Europäische EthnologInnen überschaubare Beobachtungsbereiche von Alltag aus – in der Hoffnung, dann möglichst nah dran zu sein und besonders genau beobachten, beschreiben und analysieren zu können. Hierbei geht das Fach von der Vorstellung aus, „daß auch in einem kleinen gesellschaftlichen Ausschnitt die Funktionsweisen und Wirkungsprinzipien „des Ganzen“ der Kultur aufzufinden sind"2.

Wie forscht und arbeitet die Europäische Ethnologie?

Um herauszufinden, wie sich die für Europäische EthnologInnen so zentralen Alltage konkret gestalten, wird häufig ethnografisch gearbeitet. Das bedeutet unter anderem auch am Leben der untersuchten AkteurInnen Teil zu nehmen. Der grundlegende Gedanke dieses Vorgehens ist, dass es nur so möglich ist, zu verstehen, warum Menschen auf eine bestimmte Art und Weise denken, reden und handeln, wenn man selbst dabei ist und mitmacht. Das „Labor“ Europäischer EthnologInnen ist das alltägliche Leben von Menschen. Diese sogenannte „Teilnehmende Beobachtung“ ist eine der grundlegenden Methoden des Faches, auch wenn sie sich nicht immer und für alle Fragestellungen eignet. Aus diesem Grund bedienen sich Europäische EthnologInnen fast immer auch an weiteren Methoden bzw. einem Mix unterschiedlicher Methoden und Analyseverfahren (wie z.B. Medien-, Bild- und Textanalysen, Quellen- und Archivrecherche, Diskursanalyse, unterschiedlichen Interviewtechniken, materieller Kulturanalyse, Erzähl- und Raumforschung sowie vielen weiteren).

Wie in vielen anderen Wissenschaften nimmt das Lesen von Forschungs- und Quellenliteratur einen großen Teil der Beschäftigung ein. Bevor Forschende versuchen, die Alltage und die AkteurInnen

kennenzulernen, müssen sie die einschlägige Forschungsliteratur zu den von ihnen untersuchten Phänomenen kennen und sich Wissen um die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aneignen. Dazu kann auch gehören, eine neue Sprache, einen neuen „Sprech“ (IT-lerInnen nutzen eine andere Sprache als ErzieherInnen oder die NutzerInnen eines Chatforums) oder einen bestimmten Dialekt zu erlernen. Die Forschungsergebnisse, die Europäische EthnologInnen erbringen, können aufgrund dieser qualitativen Ansätze auch nie repräsentativ sein:

„Ethnographische Forschung ist daher auch nicht repräsentativ – es geht nicht darum, Statistiken herzustellen oder eine möglichst große Anzahl an Menschen zu befragen. Stattdessen versucht die Europäische Ethnologie Antworten zu geben, die aus einer umfassenden Kenntnis des Feldes gespeist sind. Es werden zwar keine großen Zahlen untersucht, dafür aber kleine Gruppen sehr genau. Ethnologinnen und Ethnologen wollen ihren Untersuchungsgegenstand verstehen und interpretieren, nicht auflisten“3.

Was lernen Studierende im Studium der Europäischen Ethnologie?

Die Europäische Ethnologie gibt ihren Studierenden Werkzeuge und Perspektiven an die Hand, um gegenwärtigen wie vergangenen Alltagen von Menschen, ihren Beziehungen zueinander sowie zu den mit ihnen verbundenen Lebewesen und Dingen konkret nachzuspüren. Im Studium erlernen Studierende komplexe Lebenswelten zu analysieren, fragen nach alltäglichen Phänomenen wie Zusammenhängen und lernen dabei, „Common Sense“-Annahmen in Frage zu stellen. Konkret erlernen Studierende den Umgang mit unterschiedlichen Analysetechniken und kulturwissenschaftlichen Theorien, um Inhalte und Strukturen historischer und gegenwärtiger Alltage anhand konkreter Beispiele verstehend deuten zu können. In den unterschiedlichen Veranstaltungen lernen sie ein breitgefächertes Set an Methoden und Theorien sowie deren gegenstandsbezogene Anwendung kennen. Diverse Seminare bieten Raum das Erlernte konkret anzuwenden und bspw. empirisches Forschen, den Umgang mit (historischen) Quellen oder Medienanalysen in kleinen Feldstudien selbst auszuprobieren. Gleichzeitig erlernen Studierende Grundlagen selbständigen wissenschaftlichen Arbeitens mit entsprechender Urteils- und Problemlösungsfähigkeit sowie der Befähigung zur Recherche, Verdichtung, Strukturierung und Vermittlung von Informationen. Über Exkursionen und in die Seminare eingebettete Projekte machen Studierende praktische Erfahrungen und erwerben bspw. Kompetenzen in der Fotografie, dem Erarbeiten unterschiedlicher wissenschaftlicher wie populärer Textformen, dem Konzipieren und Umsetzten von Ausstellungen oder dem Erstellen einer E-Learning-Plattform. Das grundlegende „Handwerkszeug“ wie die Auswertung von wissenschaftlicher Literatur und das Verfassen wissenschaftlicher Texte werden im Laufe der ersten Semester in Tutorien erarbeitet.


1 Kaschuba, Wolfgang: Einführung in die Europäische Ethnologie. München 2006 [1999], S. 115.

2 Ebd. S. 115.

3 Römhild, Regina: Wie arbeiten Europäische Ethnologinnen und Ethnologen, wenn sie forschen? In: euriethno.hu-berlin.de. URL: https://www.euroethno.hu-berlin.de/de/institut/fach/fragen-antworten (19.12.2018).

In der ersten Vorlesungswoche findet in der Regel eine Einführungsveranstaltung für Erstsemestrige statt. Hier erhalten Sie hilfreiche Tipps zu Organisation und Inhalten Ihres Studiums. Im Anschluss findet ein „Ersti-Café“ im Gemeinschaftsraum des Lehrstuhls statt, bei dem Sie die Gelegenheit haben Ihre Kommiliton/innen sowie das Lehrstuhlteam kennen zu lernen, Fragen zu stellen und gemeinsam Kaffee, Tee und Kuchen zu genießen. Die Angaben, wann und wo die Einführungsveranstaltung stattfindet, finden Sie im Vorlesungsverzeichnis („Einführungsveranstaltungen zum Studienbeginn“). Beachten Sie bitte, dass Sie sich frühzeitig (vor Vorlesungsbeginn!) online (über das WueStudy-Portal) für die Teilnahme an Kursen anmelden und ihren individuellen Stundenplan erstellen müssen. Eine allgemeine Anleitung zur Stundenplanerstellung finden Sie auf der Webseite der Zentralen Studienberatung. Die Prüfungsordnungen und Modulhandbücher geben Auskunft über den Aufbau und Ablauf des Studiums. Bei Fragen hilft Ihnen sowohl die Fachschaftsinitiative als auch die Fachstudienberatung (Elisabeth Luggauer) weiter. Die Fachschaft und die Fachschaftsinitiative organisieren unterschiedliche Veranstaltungen für Studienanfänger*innen, um das Kennenlernen zu fördern. Falls Sie Fragen an spezifische Lehrende haben, finden Sie die Sprechstundenzeiten aller Mitarbeitenden auf unserer Homepage (und an den Bürotüren).

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